Anleihen

Anleihen - englisch: Bonds - werden von Staaten oder Unternehmen emittiert, um ihren mittel- und langfristigen Finanzbedarf zu decken. Gehandelt werden sie am Rentenmarkt respektive der Effektenbörse. Alle Anleihen funktionieren nach dem gleichen Grundprinzip: Mit dem Erwerb der Wertpapiere gewähren die Investoren dem Emittenten ein Darlehen mit fixer Laufzeit und einem verbrieften Zinsertrag, der kalenderjährlich in Form sogenannter Kupon-Zahlungen ausgeschüttet wird. Die Renditen von Anleihen liegen fast immer über den Erträgen klassischer Festzins-Anlagen auf einem Tages- oder Festgeldkonto. Allerdings wird das Anlagevermögen hier nicht wie bei einem Festgeldkonto durch die Sicherungssysteme der Banken garantiert - wer in Anleihen investiert, bewegt sich damit inklusive Risiko direkt auf dem Kapitalmarkt.

Generell gilt, dass die Renditen der Papiere umso höher sind, je schlechter ihre Bewertung durch die internationalen Rating-Agenturen ausfällt. Die Bewertungsskala reicht hier von "Triple A" (kein oder sehr geringes Risiko" bis "D" (Insolvenzgefahr). Für Staats- und Firmenanleihen ab der Rating-Note "B" - sogenannte "Junk Bonds" - zahlen die Herausgeber oft sehr attraktive Risikoprämien. Bei einer insgesamt gesunden wirtschaftlichen Basis des Emittenten spricht ein "limitiertes" Rating nicht gegen die Investition - vielmehr liegt die Attraktivität des Anlagemodells nicht zuletzt in der Kalkulation mit diesem Risiko. Sehr sicherheitsorientiere Anleger, die nur bei exzellenten Ratings investieren wollen, sind dagegen - auch und gerade im Hinblick auf die erzielbaren Renditen - mit anderen Anlageformen, beispielsweise Fondsinvestitionen, einem Festgeldkonto oder einer Kombination aus beiden, besser beraten.

Staatsanleihen - sehr lukrative Renditechancen in "Risiko-Ländern"

Staatsanleihen sind mittel- bis langfristige Schuldpapiere eines Staates - ihre Zinsen berechnen sich nach dem jeweils gültigen Zinssatz der Zentralbanken eines Landes/einer Wirtschaftsregion. In Deutschland und der Europäischen Union basieren sie auf dem Leitzins der europäischen Zentralbank.

Zumindest westeuropäische und nordamerikanische Staatsanleihen galten lange als sehr sichere Werte - durch die aktuelle Finanzkrise und die wirtschaftliche Instabilität einiger Euro-Länder hat sich dieses Bild derzeit etwas verändert. Sehr lukrative Renditechancen - etwa bei einer Investition in griechische Staatspapiere - werden dabei von einem sehr hohen Ausfallrisiko flankiert. Gleichzeitig verschlechtert die Krise für vergleichsweise sichere Papiere die Ertragsprognose: Krisenbedingt limitierte Investitionen von Staaten und privaten Unternehmen haben regelmäßig eine Leitzins-Absenkung zur Folge, was sich unmittelbar auf die Renditen von Staatsanleihen auswirkt. Ein weiteres spekulatives Risiko ergibt sich durch mögliche Währungskursverluste bei Staatsanleihen, die in anderen Währungen als dem Euro aufgenommen werden.

Währungsanleihen - hochspekulative Anlageform für Profis

Bei Währungsanleihen spekulieren Emittenten und Investoren dagegen mit der Veränderung von Währungskursen. Spekulative Gewinne werden immer dann erzielt, wenn eine Abwertung der fremden Währung gegenüber dem Euro erfolgt. Auch die Zinsentwicklung des jeweiligen Landes oder einer Wirtschaftsregion beeinflussen die Renditechancen: Hohe Zinsen kompensieren bis zu einem gewissen Grad Abwärtstrends des Währungskurses, verringern jedoch auch den Kurswert der Papiere.

Währungsanleihen sind insgesamt eine Anlageform für Profis, zumal die Risiken an den internationalen Währungsmärkten inzwischen auf für Experten kaum noch kalkulierbar sind. Für "kleine" Anleger empfehlen sich - wenn überhaupt - eher spezielle Editionen, bei denen das Verlustrisiko durch Kurssicherungsvereinbarungen zumindest limitiert wird.

Firmenanleihen - leistungsstarkes Anlagemodell mit Restrisiko

Firmenanleihen (Corporate Bonds) gibt es in zwei grundsätzlichen Formen - als klassische Firmenschuldverschreibung und als Aktienanleihe (Reverse Convertible Bonds). Herkömmliche Firmenanleihen folgen wie alle anderen Anleihen dem Prinzip "Hohe Renditechancen - hohes Risiko". Bei einer eher konservativen Anlagestrategie ist das Ausfallrisiko der Geldanlage eher gering.

Deutlich spekulativer sind Investitionen in Aktienanleihen - der Emittent kann hier frei entscheiden, ob er seine Schuld durch eine Kapitalrückzahlung oder in Aktien begleicht. Das Modell ist im Kern ein Optionsgeschäft respektive eine Wette auf die Kursentwicklung der Aktien, die der Anleihe zugrunde liegen. Auf dem Kapitalmarkt gibt es hierfür eine "spekulative Prämie" - gegenüber klassischen Firmenanleihen sind die Renditechancen von Aktienanleihen fast immer höher. Erfolgreiche Investitionen erfordern allerdings auch hier meist professionelles Kapitalmarkt-Wissen.